Analog oder Digital?

Analog oder Digital?

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Wenn mir heute jemand erzählt, dass er noch analog fotografiert, kommen mir zuerst Gedanken über eine altmodische Technik in den Kopf. All zu schnell redet man sich ein, dass die analoge Technik überholt ist und heute höchstens von Liebhabern noch benutzt wird, sonst aber keinen Stellenwert in der Fotografie mehr hat. Doch so einfach ist es bei genauerem Hinsehen nicht.

An erster Stelle muss man sich im Klaren sein, was es mit der Fotografie im Allgemeinen auf sich hat. Betrachtet man den Teil des Fotografierens und des Sehens, dann spielt es zunächst keine Rolle, was das in die Kamera projizierte Bild verewigt. Dann ist es noch nicht von Bedeutung, ob das Bild als digitale Datei vorliegt, auf Zelluloid oder Polyester. Betrachtet man aber den Bereich des Präsentierens von Bildern in Form von großformatigen Abzügen oder Diashows, dann wird man je nach Anwendungsbereich Vorlieben für bestimmte Aufnahmetechniken für sich finden. So ist ein großer Handabzug einer analogen Schwarzweißaufnahme nicht so leicht durch einen Druck einer digitalen Aufnahme zu ersetzen. Schon allein die Tatsache, dass es sich bei einem Handabzug tatsächlich um ein Unikat handelt, welches aus einem physikalischen Bild entwickelt wird, unterscheidet diese Technik von der digitalen.

Morawitz-459 (3)Sonnenaufgang, Kamtschatka, Nikon F75, 28 mm, Fuji Sensia 100 Diafilm (Scan vom Dia)

Ich bin Naturfotograf heute mit dem Schwerpunkt der Wildlifefotografie in Sachsen. Angefangen hat jedoch alles 2005 mit einer Praktica MTL-3 und Diafilmen von Fuji und Kodak. In den Anfangsjahren war ich davon überzeugt, dass ich mit Diafilm alle Motive fotografieren konnte, denen ich begegnete. Ein sehr dankbares Genre war dabei die Landschaftsfotografie. Aber auch Tierfotografie war damals gut möglich. Ich war auch von der Qualität der Farben und des großen Dynamikumfangs von Dias sehr überzeugt.

Morawitz-459-2 (3)Vulkankrater, Kamtschatka, Nikon F75, 28 mm, Fuji Sensia 100 Diafilm (Scan vom Dia)

Wenn es darum ging, bewegte Motive mit Diafilm zu fotografieren, musste man das Bild sorgfältig vorbereiten und den richtigen Moment genau erwischen. Leider ist es in der Natur die Regel, dass die Dinge nicht so laufen, wie man es sich überlegt hat. Ein Tier erscheint nicht genau dort, wo man es gerne hätte. Also muss man ein wenig Spontanität in seiner Arbeitsweise haben. So erging es mir beispielsweise auf der Insel Hiddensee. Bestückt mit meiner Praktica und einem manuell zu fokussierenden 200 mm Tele stand ich am Strand und beobachtete einen Alpenstrandläufer, wie er auf ein paar großen Steinblöcken im Gegenlicht saß. Im Hintergrund rollte eine große Welle heran. Die Bildidee entstand genau in diesem Moment, den kleinen Watvogel zu erwischen, wenn die Welle über ihm an den Steinen brechen würde. Ich hatte genau eine Gelegenheit, um das Bild zu verwirklichen. Einen Serienbildmodus mit 10 Bildern pro Sekunde gab es da nicht. Zwei Wochen nach meinem Urlaub war ich dann erfreut, als ich den bei Foto Görner entwickelten Film gesehen habe und das Bild etwas geworden war.

Morawitz-20-3 (2)Alpenstrandläufer, Hiddensee, Praktica MTL-3, 200 mm, Kodak Elite Chrome Diafilm 100 (Scan vom Dia)

Dieses Bild war jedoch der Beginn eines Umdenkens bei mir. Obwohl ich mit dem Bild ganz zufrieden war, wurde mir in dem selben Moment auch klar, dass ich viel mehr solche Aufnahmen machen wollte und mir war dabei bewusst, dass ich nicht immer Glück haben würde, mit der manuellen und analogen Technik den Moment zu erwischen.

Mit dem Umstieg auf digitale Spiegelreflexkameras von Nikon hat sich meine ganze Arbeitsweise geändert. Bilder konnten einerseits gleich angeschaut werden, aber es konnten auch leichter Bilder von schnell bewegten Motiven gemacht werden, indem man sich den Serienbildmodus seiner Kamera zunutze gemacht hat. Heute sehen allerdings die Bilder nicht viel anders aus, die am Ende heraus kommen.

CM0_6456Entenkampf, Elbe in Dresden, Nikon D3, 500 mm, ISO 250

Was man aber dem einzelnen Bild nicht ansieht, dass es digital leichter umzusetzen war, als es analog der Fall gewesen wäre. Bis auf diesen Punkt, gibt es aber bisher kein überzeugendes Argument, warum nun die digitale Technik wirklich mehr können sollte. Für mich gibt es jedoch einen wesentlichen Vorteil der digitalen Technik von heute. Mit Sensorempfindlichkeiten von ISO 6400 und höher lassen sich heute im Bereich der Wildlifefotografie aufnahmen machen, die mit analoger Technik und Diafilm unmöglich wären. Gerade dämmerungs- und nachtaktive Tiere lassen sich damit gut fotografieren.

CM0_2253Waldohreule, Dresden, Nikon D3, 500 mm, ISO 6400

In dem Moment, wo nur noch wenig Licht zur Dämmerung da ist und das Motiv jedoch noch ein wenig in Bewegung ist, kann man die Belichtungszeit nicht unbegrenzt verlängern. Da muss die Empfindlichkeit des Sensors angepasst werden. Oft lande ich dann spät abends bei Belichtungszeiten von 1/8 Sekunde und ISO 12800 bei Offenblende. Dann werden jedoch auch langsam die Grenzen der digitalen Technik erreicht.

CM0_2964Waldohreule, Dresden, Nikon D3, 500 mm, ISO 10000

In diesem Fall ist die digitale Technik der Schlüssel zu Motiven, die sonst unerreicht bleiben würden. Kunstlicht ist für mich in den meisten Fällen der Wildlifefotografie keine Option, da es den Eindruck der Stimmung vor Ort stark verändert und oft den Tieren in ihrem Lebensraum nicht gerecht wird. In wenigen Fällen ist Kunstlicht allerdings das einzige verfügbare Licht, ohne welches das Bild einfach schwarz bleiben würde. So war es auch der Fall bei einem Waschbär in völliger Dunkelheit.

Morawitz-364-2Waschbär, Dresdner Umland, Nikon D3, 200 mm, ISO 25600, Kunstlicht

Für mich ist die digitale Technik heute das Mittel der Wahl, da ich damit meine Bildideen umsetzen kann, wie es mit Diafilm oder Negativ nicht möglich wäre.

Zum Autor:

Mein Name ist Christian-D. Morawitz und ich studiere in Dresden. Nebenher betreibe ich Natur- und Wildlifefotografie, bin Vollmitglied in der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen und engagiere mich ab und zu ehrenamtlich im Naturschutz. Meine Arbeiten können unter anderem hier angeschaut werden:

www.nature-and-light.de

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